Freitag, Juni 09, 2006

Fanguide Hamburg

Als Fussballfan braucht man Hilfe. Zu WM-Zeiten wird einem diese in Form von nett gemeinten Heftchen und Ratgebern immer gerne gewährt. Manchmal drängt sich aber der Verdacht auf, dass die Macher dieser Publikationen auch die eine oder andere Hilfestellung vertragen könnten. Anschauungsobjekt: Der überall ausliegende „Fanguide Hamburg“.

Anscheinend ist der ganze Spaß, verlegt vom Verein Jugend und Sport e.V., in mehreren Sprachen erhältlich, die einsprachig deutsche Version ist aber an Sinnfreiheit kaum zu überbieten. Nach ein bisschen HVV-Werbung für den gerade in Hamburg angekommenen Fan („Sightseeing fast umsonst: Buslinie 120, vom ZOB in 80 Minuten durch den Hafen, entlang der Elbe bis nach Geesthacht“, mit nur 34 Haltestellen übrigens) geht es gleich zu den ortstypischen Herausforderungen:

Wie bekomme ich mein Taxi?
Am besten an den beschilderten Taxiständen (hier besteht freie Fahrzeugwahl), durch heranwinken eines vorbeifahrenden freien Taxis (zu erkennen am beleuchteten Dachschild) oder durch Bestellung über die Funkzentralen (...).


Man wäre ja aufgeschmissen ohne Fanguide. Hotel-Tipps gibt es dann unter der Überschrift „Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf“, und wir hoffen alle, dass damit keiner der Vorwort-Schreiber - Uwe Seeler und Ole von Beust - gemeint ist. Trotzdem haben die besten Verhaltensregeln mit Sex zu tun. Also bitte.

Sex ist geil!
Aber OHNE ist daneben...
Wer reist, lernt neue Menschen kennen – Begegnungen, die nicht selten im kuscheligen Bett oder weichen Moos der nächsten Grünanlage ihren Höhepunkt finden.


(Ja, Höhepunkt, das steht da tatsächlich.)

Gerade in bierseliger Feierlaune passiert dies häufiger. Dadurch steigt auch die Gefahr einer Ansteckung mit HIV (...). Kondome schützen!
Nichts Anderes gilt natürlich auch beim käuflichen Sex. Und wenn der Samenstau zur Prostituierten drängt, sind gewisse Regeln einzuhalten.


Herzlich willkommen also zu den Puff-Regeln für Blöde!

1.Höflichkeit, Respekt und Hygiene öffnen jede Tür.
2.Alkohol nimmt nicht nur Hemmungen, sondern auch das Stehvermögen. Weniger kommt also immer besser.
(...)
6.Bei Unzufriedenheit gibt es keine Geld-zurück-Garantie.
7.Nur Bares ist Wahres: Gezahlt wird mit Bargeld, nicht mit Kredit- oder EC-Karte.


Endgültig verwirrend ist dann die Doppelseite mit „DO“ und „DON'T“. Der erste Punkt unter „DO“ besagt, dass Rauchen in Restaurants und Kneipen grundsätzlich erlaubt ist. Heisst das, man sollte es zwingend tun? Oder was soll das an dieser Stelle? Auch schön ist der Hinweis, dass man Trinkgeld geben sollte (auch so eine Hamburger Eigenart) und die Information: „In Hamburg gibt es keine Sperrstunde. Man darf es also gerne langsam angehen lassen.“

Die DOs sind also langweilig. Da haben die DON'Ts schon mehr Substanz, an erster Stelle: Nicht rauchen auf Bahnhöfen. Erst an zweiter Stelle dann die Bitte, „Sieg Heil“-Rufe, Hakenkreuze und den Hitlergruß lieber sein zu lassen. Die Information „Hamburg ist nicht Ganja-Land“ an dritter DON'T-Stelle ist vermutlich sogar der beste Satz in der ganzen Broschüre.

So geht es dann lustig weiter mit Informationen, die in einer deutschsprachigen Veröffentlichung weitgehend fürn Arsch sind. „So genannte“ EC-Karten sind „weit verbreitet“, VISA und Mastercard „zählen auch in Hamburg zu den am häufigsten benutzten Kreditkarten“, Geldautomaten gibt es „meistens natürlich direkt in den Banken“ und „die Filialen der Post sind dank eines unverkennbaren Gelb leicht zu finden.“ Yo.

Zum Glück wird es dann wirklich noch international – nicht nur, dass unter „Mahl-Zeit“ über Döner, „das bekannte und beliebte Fladenbrot mit Fleisch und Gemüsen“ referiert wird, wir erfahren auch, dass Döner-Buden „meistens von in Deutschland lebenden Türken betrieben“ werden.

Aber es gibt ja noch mehr lustige Länder. Wenn die in Hamburg stationierten Teams mit knackigen Sprüchen vorgestellt werden, grenzt das schon an Sportpoesie: „Ecuador – Dünne Luft und dicke Lippe“, „Ukraine – Niederlagen als Teil des Weges“ oder gar „Tschechische Republik – Von Schnitzeln und Ungeheuern“. Irgendwie schön. Fehlt nur noch „Deutschland – Von Döner, Hitler und Bumsen“.

0 Comments:

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home